Die Großeltern spielen im Leben von vielen Kindern eine prägende Rolle. Omas und Opas übernehmen Care-Arbeit, helfen arbeitenden Eltern im Haushalt und springen ein, wenn mal kein Babysitter gefunden werden kann. Im besten Fall sorgt dies auch für eine liebevolle Bindung zwischen Enkelkind und Oma bzw. Opa. Was aber, wenn die Großeltern narzisstisch sind?
Nicht nur narzisstische Mütter oder Väter können die emotionale Entwicklung von Kindern auf verheerende Weise beeinträchtigen. Auch ein narzisstisches Großelternteil bringt Konsequenzen mit sich (für Eltern und Kinder) und ist noch dazu oft schwer zu enttarnen. Wir verraten dir, welche Warnsignale es gibt und ab wann Eltern dazwischen gehen sollten, wenn der Opa oder die Oma narzisstische Züge zeigt.
#1 Sie fordern ständigen Gehorsam
Narzisstische Großeltern fordern Respekt und Gehorsam ein, auch wenn sie zu ihren Enkelkindern keine starke Beziehung haben. Sie neigen dazu, entweder übertrieben kritisch oder auch unrealistisch lobend zu sein – je nachdem, was ihnen gerade mehr nützt.
#2 Sie bevorzugen ein bestimmtes Enkelkind
Narzisstische Großeltern bevorzugen oft das Enkelkind, das am meisten ihren Erwartungen entspricht. Das „goldene Enkelkind“ wird idealisiert, überall vorgezeigt, mit Geschenken überhäuft und in den Himmel gelobt (zum Beispiel, weil es besonders talentiert oder gehorsam ist). Andere Geschwister oder Cousinen werden dagegen häufiger kritisiert, ignoriert oder absichtlich klein gehalten, weil sie nicht in das Weltbild der Großeltern passen.
#3 Sie nutzen Manipulation für die Selbstdarstellung
Oft setzen narzisstische Großeltern Schuldgefühle ein („Nach allem, was ich für dich getan habe …“) oder versuchen, das Kind gegen die Eltern auszuspielen, um ihre Ziele zu erreichen. So können auch auffallend häufige materielle Geschenke ohne jeden Anlass und bei fehlender emotionaler Bindung ein Indiz dafür sein, dass sie sich die Gunst ihrer Enkel*innen erkaufen wollen, ohne dabei eine Beziehung aufzubauen, die auf Vertrauen und Unterstützung basiert.
Falls sie mit Vorwürfen konfrontiert werden, reagieren narzisstische Großeltern oft mit Selbstmitleid und stellen sich als Opfer dar, um Sympathie zu gewinnen oder die Schuld auf andere abzuwälzen.
#4 Sie ignorieren Grenzen der Eltern
Narzisstische Großeltern ignorieren oft die Regeln und Grenzen, die Eltern für ihre Kinder setzen. Dadurch versuchen sie, Kontrolle auszuüben oder sich als „bessere“ Bezugspersonen darzustellen und untergraben die Autorität der Eltern.
Häufig mischen sich narzisstische Großeltern unangemessen in die Erziehung der Enkelkinder ein, hinterfragen die Methoden ihrer eigenen Kinder und halten sich (absichtlich) nicht an Abmachungen oder besprochene Regeln, wie "vor dem Abendessen keine Süßigkeiten" oder "nur eine Stunde fernsehen am Tag".
#5 Sie zeigen kaum Empathie
Narzisstische Großeltern zeigen wenig Verständnis für die Gefühle oder Bedürfnisse ihrer Enkelkinder oder der Eltern. Wichtiger ist ihnen ihre eigene Befindlichkeit und, dass sie die Anerkennung bekommen, die sie ihrer Meinung nach verdienen.
Dadurch entstehen häufig erbitterte (und vor allem vermeidbare) Konflikte, die allen Beteiligten Kraft rauben und auf Dauer den Familienzusammenhalt stark beschädigen können.
#6 Sie versuchen, die Familie zu spalten
Wenn Familienmitglieder untereinander im Konflikt stehen, behalten narzisstische Großeltern die Kontrolle. Sie können sich dann als Vermittler*innen oder Opfer inszenieren, um so Einfluss nehmen. In Extremfällen verschlimmern sie die Situation absichtlich, indem sie verschiedenen Familienmitgliedern unterschiedliche Geschichten erzählen, um Misstrauen und Streit zu säen, wodurch sie sich selbst geschickt in den Fokus rücken.
#7 Sie wollen immer im Mittelpunkt stehen
Narzisstische Großeltern haben oft ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. So lenken sie zum Beispiel das Gespräch immer wieder auf sich oder dramatisieren ihre eigenen Erlebnisse, um im Mittelpunkt zu stehen. Funktioniert das nicht, reagieren sie beleidigt oder ziehen sich demonstrativ zurück, um die Aufmerksamkeit ihrer Kinder und Enkelkinder zu erzwingen.
Manchmal werden auch konkrete Drohungen ausgesprochen, wenn sich die Familie nicht nach ihren Wünschen richtet, etwa bei finanzieller Unterstützung oder regelmäßiger Betreuung der Kinder durch die Großeltern.
#8 Sie instrumentalisieren ihre Enkelkinder
Die Enkelkinder werden benutzt, um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern und etwa als eine Art Prestigeobjekt vorgezeigt, um sich anderen gegenüber (Familienmitgliedern oder Freund*innen) positiv darzustellen.
#9 Sie zeigen keine Veränderungsbereitschaft
Selbst wenn sie mit ihrem Verhalten konfrontiert werden, zeigen narzisstische Großeltern meist keine Bereitschaft zur Veränderung. In besonders harten Fällen (etwa wenn die Eltern-Kind-Beziehung gefährdet ist, wiederholt Grenzen missachtet werden und die Enkel*innen unter der Manipulation leiden) bleibt als einziger Ausweg nur eine radikale Kontaktbegrenzung.
#10 Tipps zum Umgang mit narzisstischen Großeltern
Es liegt in der Verantwortung der Eltern, die Kinder, falls nötig, vor einem toxischen Einfluss der Großeltern (oder anderen Verwandten) zu schützen. Dabei ist vor allem folgendes wichtig:
- Klare Grenzen setzen: Sei bestimmt, aber höflich. Zum Beispiel: „Wir möchten nicht, dass du den Kindern Süßigkeiten gibst, bevor sie gegessen haben.“ Falls sie es ignorieren, Konsequenzen ankündigen und dann auch unbedingt durchziehen.
- Nicht in Machtspiele verwickeln lassen: Narzisstische Großeltern provozieren oft Streit, um die Kontrolle zu behalten. Bleib ruhig und sachlich – auf lange Diskussionen oder emotionale Reaktionen solltest du dich gar nicht erst einlassen.
- Den Partner mit ins Boot holen: Falls es die Eltern eines Partners bzw. einer Partnerin sind, sollte diese*r vorrangig Grenzen setzen. Dennoch ist nicht er / sie allein für die Situation verantwortlich. Eltern sollten als Team auftreten und gemeinsam eine klare rote Linie ziehen – das ist vor allem wichtig, wenn narzisstische Großeltern aktiv versuchen, die Paarbeziehung der Eltern zu manipulieren und beispielsweise ihr eigenes Kind gegen den / die Partner*in auszuspielen.
- Kinder stärken: Falls die Kinder schon älter sind, können die Eltern helfen, selbstbewusst Grenzen zu setzen („Ich möchte das nicht, Oma.“). Dies ist besonders wichtig, wenn die narzisstischen Großeltern ein bestimmtes Kind präferieren, denn Kinder beziehen Bevorzugung oder Ablehnung meist auf sich selbst. Ihnen muss auf einfühlsame und ermutigende Weise klargemacht werden, dass das Verhalten der Großeltern nicht ihre Schuld ist.
Trailer: Max und die wilde 7 – die Geister-Oma
Narzisstische Muster sind oft sehr subtil und nicht immer eindeutig. Besonders Kinder können sie nur begrenzt einordnen, darum ist es wichtig, dass Eltern eingreifen, wenn Situationen ausarten.
Aber natürlich können nicht nur Großeltern narzisstische Tendenzen haben. Falls du dich fragst, ob dein Partner oder deine Partnerin von Narzissmus betroffen ist, kannst du dir in unserem Quiz einen ersten Überblick verschaffen: