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Generationen

Weder Gen Y noch Z? Daran merkst du, dass du in Wahrheit ein Zillennial bist

Drei Freunde machen ein Selfie
© Getty Images / Liquid Sky Studio

Ich oute mich jetzt als 2002-Geborene, Gen Z. Dabei ist mir das total unangenehm, ich fühle mich nämlich in der Generation TikTok überhaupt nicht wohl. Wenn dir das auch so geht, bist du wahrscheinlich in den späten 90ern oder ganz zu Beginn der 2000er-Jahre geboren. Du schwebst zwischen zwei Welten und lässt dich nirgends richtig einordnen: Für die Millennials bist du zu jung, aber was Kassetten sind (und wie man sie benutzt), weißt du doch noch.

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Herzlichen Glückwunsch: Bei dir scheint es sich um eine*n Zillennial zu handeln. Was das für dich bedeutet und mit welchen Herausforderungen die Generation zwischen den Generationen zu kämpfen hat.

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Wer mich als Digital Native bezeichnet, lässt sich eventuell von meiner Berufsbeschreibung fehlleiten, denn aufgewachsen bin ich in einer eher ländlichen Region zwischen Pferden, Playmobil und (sehr vielen) Plüschtieren. In meinem Elternhaus gab es bis zu meinem 14. Geburtstag keinen Fernseher, mein erstes Handy war ein Siemens C35i (Baujahr 2000) und auch WhatsApp, Instagram, Snapchat & Co. bekam ich dementsprechend als letzte – in der 7. und 8. Klasse. Mittlerweile bin ich von dort auch größtenteils wieder verschwunden.

Mein ganzer Stolz ist meine DVD- (kein Blue Ray!) und Büchersammlung, ich schreibe am liebsten auf Papier und mein Kalender hing schon immer an der Wand, nicht auf dem Desktop. So viel also erst mal zu den gängigen Klischees. Was genau macht jetzt die Zillennials aus und woher weißt du, dass du wirklich dazugehörst?

Wann sind Zillennials geboren?

Als Zillennials werden üblicherweise die Geburtsjahrgänge zwischen 1996 und 2002 bezeichnet. Manchmal ist auch vom Beginn der 90er-Jahre bis Anfang der 2000er die Rede. Die Zillennials (auch Zennials) sind also eine sogenannte "Mikrogeneration" zwischen den Millennials und der Generation Z.

Zillennials im Überblick

Die Zillennials sind ...

  • Kinder der Baby Boomer und Generation X.
  • wurden überwiegend autoritativ und permissiv erzogen.
  • haben eine zumindest teilweise analoge Kindheit erfahren.
  • sind geprägt durch ein hohes Maß an Individualismus.
  • erlebten den Höhepunkt der Digitalen Revolution in den späten 2000er-Jahren im Jugendalter.
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5 Merkmale & Herausforderungen der Zillennials

Was aber macht diese Zwischengeneration aus? In der Sozialforschung ist die Existenz von Generationen per se umstritten. Auch einen wissenschaftlichen Beweis von Mikrogenerationen, wie eben die Zillennials oder auch die Xennials, gibt es aktuell nicht.

Dennoch bietet die Theorie der Mikrogeneration vielen (auch mir), die sich in einem Konflikt zwischen Y und Z befinden, eine bequeme Erklärung für einen höchst komplexen Sachverhalt. Und es werden immer wieder Ereignisse und Herausforderungen genannt, die uns Jahrgänge um die Jahrtausendwende besonders geprägt haben.

#1 Anschlag auf das World Trade Center

Zum Zeitpunkt des schrecklichen Terroranschlags auf das World Trade Center waren die meisten Zillennials wenige Monate alt bzw. im Schuleintrittsalter. Auch Babys, die noch gar nicht auf der Welt waren, könnten indirekt durch 9/11 beeinflusst worden sein, denn großer Stress der Mutter während der Schwangerschaft kann um bis zu zwei Generationen weiter vererbt werden.

Das heißt natürlich nicht, dass alle Zillennials im Mutterleib traumatisiert wurden. Dennoch wurden unsere ersten Lebensjahre überschattet von einem unvergleichlichen Ereignis, das zuvor wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte. 9/11 war nur eine von vielen Terrorattacken, die noch folgen sollten und leitete ein neues Zeitalter ein, in dem Migration, Diversität und Kultur immer mehr zu einer Quelle der Angst, Wut und Ausgrenzung werden sollten.

#2 Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie traf alle Menschen. Dennoch möchte ich behaupten (und damit bin ich nicht allein), dass eine bestimmte Altersklasse ganz besonders von den Kontaktverboten und Ausgangssperren beeinträchtigt wurden – und das sind die Zillennials.

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Ich habe mein Abitur 2020 gemacht und falle dabei in die Sparte der Menschen, denen zu Beginn des Lockdowns der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Raus aus der Schule – und dann wohin bitte? Abschlussfeiern gab es kaum, sie fanden in privaten Kreisen oder online statt, Großeltern und weiter entfernte Verwandte konnten erst gar nicht teilnehmen. Die meisten meiner Freund*innen haben ihren 18. Geburtstag nicht gefeiert oder auf später verschoben – damit Oma und Opa auch dabei sein konnten.

Wer seinen Schulabschluss bereits in den Jahren davor gemacht hatte und zum Studieren weggezogen war, schaute – einfach gesagt – blöd aus der Wäsche. Besuche bei den Eltern waren nicht mehr möglich, Unis waren geschlossen und besonders Aushilfs- und Werkstudentenjobs, etwa in der Gastronomie, in Bars, Clubs, im Kino oder Fitnessstudio, rar gesät.

Julia Bach

Ein bisschen mehr Empathie bitte

Selbstverständlich hat die Corona-Pandemie überall ihre Spuren hinterlassen. Es gibt reichlich Studien, die beweisen, dass besonders Kinder und Jugendliche unter den Folgen der Schulschließungen gelitten haben. Krankenkassendaten zeigen, dass die Nachfrage nach Therapie und psychiatrischer Behandlung bei Kindern und Jugendlichen 2021 um 60 % gestiegen war.

Kinder und Jugendliche – das sind nicht die Zillennials. Aber auch junge Erwachsene, zwischen 18 und 25 Jahren alt, haben die Folgen zu spüren bekommen. Psychisch und vor allem finanziell. Menschen aus einkommensschwachen Familien, die auf Mini- oder Werkstudentenjobs angewiesen sind, sahen sich durch den Verlust von Arbeit stark eingeschränkt. Das Leben, das uns versprochen wurde – endlich frei von den Eltern, Unabhängigkeit, ein eigener Haushalt, gemeinsames Lernen an der Uni oder während der Ausbildung – all das fand so nicht statt.

Mir wurde früher immer gesagt: "Die Zeit an der Uni wird die schönste Zeit deines Lebens." Na danke. Ich habe online studiert. Alleine. In meinem Kinderzimmer. Keine Semesterpartys, keine neuen Freunde. Jetzt werde ich häufig mit dem Klischee konfrontiert, die Gen Z (und damit natürlich auch Teile der Zillennials) seien verweichlicht, faul und depressiv. Wie schön wäre es, wenn wir erst mal genauer zuhören könnten, bevor wir über andere urteilen.

Julia Bach

#3 Musical.ly statt TikTok und MySpace

MySpace dürfte in den Millennials nostalgische Erinnerungen wecken. Heute erfreut sich stattdessen TikTok größter Beliebtheit. Als die Zillennials im Teenageralter waren, hieß es aber weder noch. Denn die sind mit einer ganz anderen Plattform aufgewachsen. Na, wer kennt noch Musical.ly? Die Social Media App, mit der Lisa und Lena bekannt wurden.

Und jetzt kommt mir doch nicht und sagt: "Halt warte, du verwechselst da was. Die TikTok-Generation, das ist nicht Gen Z, das sind doch die Alphas!" Letztere waren maximal zwei Jahre alt, als Musical.ly entstand und höchstens sechs, als selbiges in TikTok umbenannt wurde. Ich sag's ja nur.

#4 Psychische Probleme & Vorurteile

Die registrierten Fälle psychischer Erkrankungen wie Angststörungen und Panikattacken bei 15- bis 29-Jährigen haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Frauen sind mit deinem Anstieg von 133 % stärker betroffen als Männer.

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Irgendwo habe ich mal gelesen, die Generation Z werde auch die "depressive Generation" genannt. Wer das als faktisch korrekt empfindet, darf die Zillennials getrost mit in diese Schublade stecken. Zwei mögliche Erklärungen könnten die zuvor genannten Punkte 1 und 2 sein.

Auf Basis eines Interviews mit Deborah Carr, Professorin für Soziologie und Direktorin des Center for Innovation in Social Science, schreibt der Merkur: "Die Mikrogeneration zeichne(t) sich (...) dadurch aus, dass sie in ihrem relativ kurzen Leben bereits viele Widrigkeiten erlebt hat." Er bezieht sich dabei sowohl auf 9/11 als auch die COVID-19-Pandemie.

Julia Bach

Schluss mit dem Generationen-Bashing

Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster und behaupte, dass Vorurteile gegenüber anderen Altersgruppen überhaupt niemandem weiterhelfen. Ganz besonders nicht denjenigen, die sich mit keiner Generation identifizieren können und trotzdem mit der Gen Z über einen Kamm geschert werden.

Meine Kollegin Lucy hat die Klischees, die den Z-lern gern an den Kopf geworfen werden, auf sehr sachliche Weise näher untersucht.

Julia Bach

Die Corona-Pandemie allein sollte dennoch nicht für den verzeichneten Anstieg von psychischen Problemen unter jungen Erwachsenen verantwortlich gemacht werden. So war 2016 laut Barmer jede*r sechste Studierende – eine Bildungskohorte, die bisher im Vergleich mit Nichtakademiker*innen als besonders unauffällig galt – von einer psychischen Erkrankung betroffen. In der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren (den Zillennials) waren es insgesamt sogar 25 Prozent.

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#5 Von der analogen Kindheit zur digitalen Jugend und wieder zurück

Die Zillennials sind "irgendwo dazwischen", diese Beschreibung wird man bei einer Recherche im Internet immer wieder lesen. Sie sind diejenigen, denen zwar Oberflächlichkeit und eine Social Media Sucht vorgeworfen wird (ein Stereotyp der Gen Z und aufwärts), die aber regelmäßig ihr Handy ausschalten, besagte soziale Medien deinstallieren und sich bewusst wieder auf die Realität konzentrieren. Und warum?

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Weil Instagram, TikTok und Co. eben NICHT schon immer Teil unseres Lebens waren. In unserer Kindheit gab es kein Tablet, auf dem wir schon mit drei Jahren herumdrückten (ein Bild, das ich auf Reisen immer wieder beobachte). Zillennials wissen tatsächlich noch, wie es ist, sich in den Sommerferien zu langweilen, weil die beste Freundin im Urlaub ist und man nichts, und ich meine wirklich nichts, zu tun hat. In meinem persönlichen Freundeskreis tragen viele diese Erinnerung als etwas sehr Positives im Herzen. Deshalb suchen wir aktiv nach Wegen, sie wieder lebendig werden zu lassen.

Quellen: Deutsches Jugendinstitut; Kaufmännische Krankenkasse Halle; Barmer Ärztereport 2018