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Fetale Makrosomie: Was du wissen solltest, wenn du ein sehr großes Baby erwartest

Fetale Makrosomie Risiken
© Gettyimages/Serhii Sobolevskyi

Wenn ein Baby außergewöhnlich schwer und groß zur Welt kommt, spricht man von fetaler Makrosomie. Warum diese Kinder im Bauch so schwer werden, ob man dem Großwuchs vorbeugen kann und wann ein Baby zu groß für eine vaginale Geburt ist.

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Definition: Wann spricht man von fetaler Makrosomie?

Mediziner*innen nennen es fetale Makrosomie (Großwuchs) oder auch LGA ("large for gestational age"), wenn das Geburtsgewicht eines Kindes über 4.350 Gramm beziehungsweise über der 95. Perzentile liegt. Viele Ärztinnen und Ärzte sprechen schon bei einem Gewicht von über 4.000 Gramm von Makrosomie.

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Die Ursachen der Makrosomie

In Deutschland kamen 2019 etwa 9 % der Babys mit einem Gewicht ab 4.000 Gramm zur Welt, 1,25 % der Babys wogen 4.500 Gramm oder mehr. Die Zahl der makrosomen Neugeborenen steigt. Als häufigste Ursachen machen Wissenschaftler*innen folgende Faktoren verantwortlich:

In diesen Fällen ist aufgrund einer Insulinresistenz der Blutzuckerspiegel der Mama regelmäßig erhöht. Die hohen Blutzuckerwerte gelangen durch die Plazenta zum Fötus und regen seine Insulinproduktion an, was das Wachstum des Babys fördert. In der Regel entwickeln sich die betroffenen Kinder bis zur 21. SSW normal, erst dann legen sie gegenüber nicht betroffenen Föten an Gewicht und Größe zu.

Zu weiteren Ursachen zählen:

  • Genetische Veranlagung: War die Mutter bei ihrer Geburt selbst sehr groß und schwer, wird das Kind das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sein. Gleiches gilt, wenn sie bereits ein makrosomes Baby zur Welt gebracht hat und/oder im Erwachsenenalter selbst überdurchschnittlich groß und schwer ist.
  • Übertragung: Kommt das Baby weit nach dem errechneten Geburtstermin zur Welt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für ein überdurchschnittlich großes Kind.
  • Alter: Ist die Mutter über 35 Jahre alt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Makrosomie.
  • Exzessive Gewichtszunahme während der Schwangerschaft: Eine zu starke Zunahme erhöht das Risiko einer Schwangerschaftsdiabetes, die aus den oben genannten Gründen das Wachstum des Kindes stark beschleunigen und zu einem zu hohen Geburtsgewicht führen kann.
  • Syndrome (sehr selten): z. B. Beckwith-Wiedemann-Syndrom oder Costello-Syndrom.

Kann man einer fetalen Makrosomie vorbeugen?

Da die Ursachen für das Großwachstum nicht eindeutig sind und von mehreren Faktoren abhängen, kann man einer Makrosomie nicht immer vorbeugen. Diabetische Mütter sollten ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und die angebrachte Diät einhalten. Gleiches gilt für Schwangere, bei denen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird.

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Frauen ohne diabetische Erkrankung, insbesondere übergewichtige Schwangere, sollten sich gesund und ausgewogen ernähren  und sich regelmäßig bewegen, um die Blutzuckerwerte und die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft auf einem normalen Level zu halten. Vorbeugend noch besser ist es, schon vor Eintritt der Schwangerschaft auf Normalgewicht zu achten.

Wann wird bei fetaler Makrosomie ein Kaiserschnitt gemacht?

Bei der vaginalen Geburt eines makrosomen Kindes über 4.000 Gramm besteht ein um 10 bis 20 Prozent erhöhtes Risiko einer Schulterdystokie. Weitere Gefahren gehen von einer möglichen Uterusruptur (Gebärmutterriss) und einer unvollständigen Plazentaablösung nach der Geburt aus. In beiden Fällen kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. Außerdem sind Verletzungen des Genitalbereichs und schwere Dammrisse wahrscheinlicher.

Für das Kind bestehen bei einer vaginalen Geburt außerdem die Gefahren von Schulter- und Halswirbelverletzungen und einer Sauerstoffunterversorgung.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe rät daher ab einem geschätzten Gewicht von 4.500 Gramm eher zu einer Geburt per Kaiserschnitt. Das Problem dabei: Die fetale Makrosomie lässt sich nur schlecht vorhersagen, da bis heute keine Untersuchungsmethode das voraussichtliche Geburtsgewicht genau bestimmen kann. Die Ärztinnen und Ärzte können anhand von Messungen bei den Ultraschalluntersuchungen im 3. Trimester lediglich schätzen, wie schwer das Kind zur Geburt sein wird. Auch zu viel Fruchtwasser deutet darauf hin, dass das Kind überdurchschnittlich schwer sein wird.

Wann wird die Geburt bei fetaler Makrosomie eingeleitet?

Da ein Kaiserschnitt immer auch Risiken birgt, raten manche Geburtshelfer*innen bei Verdacht auf Makrosomie dazu, die Geburt zwischen der 38. und der 39. SSW einzuleiten, damit das Baby im Bauch nicht noch größer wird.

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Allerdings gibt es auch Argumente dagegen. Vor allem ist zu beachten, dass – wie gesagt – eine fetale Makrosomie vor der Geburt nur schwer abgeschätzt werden kann. Es kann also sein, dass die Geburt früher eingeleitet wird, das Kind aber gar nicht sonderlich groß und schwer ist. Auch Faktoren wie dein Körperbau spielen bei der Entscheidung eine Rolle. Lass dich daher gut ärztlich und von deiner Hebamme über Nutzen und Risiken beraten.

Gesine Engels-Krone

Wähle eine erfahrene Geburtsklinik

Der Vermerk „Makrosomie“ in meinem Mutterpass hat mich ziemlich verunsichert – es macht erstmal Angst, wenn Ärzt*innen und Klinikpersonal die schlimmsten Szenarien ausführlich darlegen. Natürlich ist Aufklärung aber wichtig und verpflichtend.

Was mir geholfen hat, war die Einschätzung meiner sehr erfahrenen Hebamme, die in 25 Jahren Berufspraxis schon alles erlebt hatte. Und ein Vorgespräch mit dem leitenden Arzt einer großen Geburtsklinik, das sehr unaufgeregt verlief.

Fragt mal eure Eltern: Wie groß und schwer wart ihr damals bei eurer Geburt? Dass meine Babys mit über 4.000 g zur Welt kamen, war unter diesem Aspekt eigentlich keine Überraschung. Beide Male lief alles komplikationslos.

Verlasst euch auf den Rat eurer Ärzt*innen, die euch individuell beraten können. Auch, wenn es um die Frage geht, ob eine Einleitung sinnvoll ist. Mir wurde nicht dazu geraten, und mein zweites Baby kam neun Tage nach errechnetem ET groß, schwer und wunderbar zur Welt.

Gesine Engels-Krone

Letzten Endes entscheidest du über die Art der Geburt. Deine Wünsche kannst du im Geburtsplan festhalten:

Poster

Wie geht es makrosomen Kindern nach der Geburt?

Da bei makrosomen Kindern nach der Geburt ein erhöhtes Komplikationsrisiko, z. B. für Unterzuckerung, besteht, werden diese sorgfältig medizinisch überwacht.

Langfristig betrachtet weisen makrosome Kinder außerdem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes auf. Das muss aber nicht zwangsweise so kommen. Ein gesunder Lebensstil kann die Risiken eindämmen.

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Wir recherchieren mit großer Sorgfalt und nutzen nur vertrauenswürdige Quellen. Die Ratschläge und Informationen in diesem Artikel ersetzen keine medizinische Betreuung durch entsprechendes Fachpersonal. Bitte wendet euch bei gesundheitlichen Fragen und Beschwerden an eure Ärztinnen und Ärzte, Hebammen oder Apotheker*innen, damit sie euch individuell weiterhelfen können.

Quellen: Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

Neugeborenen-Quiz: Wie gut kennst du dich mit den Kleinsten aus?

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